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Zwei Echos in Harmonie vereint

Oktober 25, 2025

Gemeinschaftskonzert: Musikvereine aus Maldingen und Rodt begeistern das Publikum in der Maldinger Pfarrkirche

Es war ein Abend, der unter die Haut ging – nicht nur wegen der klangvollen Werke, sondern auch wegen der sichtbaren Freude am gemeinsamen Musizieren. Der Kgl. Musikverein „Echo vom Hochtumsknopf“ Maldingen und der „Echo vom Buchenberg“ Rodt präsentierten in der Pfarrkirche Maldingen ein Gemeinschaftskonzert, das musikalische Präzision, Leidenschaft und Spielfreude auf eindrucksvoll vereinte.
Von Gerd Hennen

Für Dirigent Nico Deinema war es zugleich ein besonderer Moment, denn er feierte seine Feuertaufe am Pult des Maldinger Msikvereins. Mit sicherer Hand und spürbarer Begeisterung führte er sein Orchester durch ein abwechslungsreiches Programm, das von sinfonischer Wucht bis zu Popklängen reichte; ein musikalisches Panorama, das keine Wünsche offenließ. Den Auftakt bildete „ Valhalla“, eine klanggewaltige Ouvertüre im Stil Richard Wagners, deren majestätische Fanfare sogleich die ganze Kirche füllte. Mit „Fantastica“ von Martin Scharnagl traf Tiroler Esprit auf sinfonische Raffinesse. Ein orchestrales Farbenspiel, das festlich, rhythmisch und immer mit einer Prise Lebensfreude an Filmmusik erinnerte.

Im Land der Kelten und Angelsachsen

Anschließend bes timmten rasante Tempi die temperamentvolle Ouvertüre von Michael Sweeney, bei der Schlagzeug und Blechregister für einen pulsierenden Drive sorgten. Einen eindrucksvollen Ruhepol bildete im Anschluss Jan Van der Roosts „Canterbury Chorale“. Breit, getragen und fast sakral breitete sich der Klang in den Kirchenschiffen aus. Solistische Einlagen von Flöte und Klarinette verliehen dem Werk eine ergreifende Tiefe, während das Tutti am Ende wie Orgelklang durch die Gewölbe vibrierte. Mit dem „Earth Song” von Michael Jackson in einem brillanten Blasorchester-Arrangement von Ron Sebregts bewiesen die Musiker schließlich, dass Emotionen auch in leisen Tönen groß sein können. Das eindringliche Thema, getragen von weichen Klangfarben, rührte das Publik um sichtbar an. Die Zugabe „September” von Earth, Wind & Fire rundete den ersten Konzertteil schwungvoll ab – ein Funk-Feuerwerk, das die Zuhörer begeisterte.
Nach einer kurzen Umbaupause betraten Dirigent Marc Lemmens und die Musiker beider Vereine den Chorraum – ein vereinter Klangkörper, der an diesem Abend seine ganze Bandbreite zeigte. Die Idee zu dieser Kooperation war, wie Präsidentin Marion Scheuren erläuterte, nach der letzten Födekam-Einstufung entstanden. „Die Chemie stimmte von Anfang an“, sagte sie – und das war in jedem Takt zu hören. Den Auftakt des zweiten Teils bildete „Hermes” von Hayato Hirose, ein Konzertmarsch mit mythologischem Atem. Kraftvolle Fanfaren wechselten mit lyrischen Passagen, bevor ein großartiges Finale das Werk beschloss – ein energiegeladener Start in den gemeinsamen Konzertblock.
Mit „San Diego” entführten die Musiker das Publikum an die kalifornische Küste: Sonne, Strand und vibrierende Lebensfreude klangen durch die Register, als hätte man die Wärme auf der Haut gespürt. Anschließend entführte „Stockholm Waterfestival” von Luigi di Ghisallo auf eine musikalische Reise durch die schwedische Hauptstadt. Von Trillern über rockige Grooves bis hin zu humorvollen Wachablösungen präsentierte sich das Werk als mitreißendes Kaleidoskop, das den Zuhörer:innen ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte. Mit dem Konzertmarsch „Salemonia” von Kurt Gäble zündeten die Musiker schließlich ein wahres Marsch-Feuerwerk.
Filmmusik-Fans kamen bei „How to Train Your Dragon” voll auf ihre Kosten. Das Arrangement von Sean O’Loughlin vereinte Abenteuerlustmit epischer Breite und zeigte, wie modern und filmisch Blasmusik heute klingen kann. Lokalkolorit und schwungvolle Heimatliebe verband Gäbles Marschpolka „Bei uns daheim “, die zum Mitklatschen animierte. Mit „Sweet Caroline” von Neil Diamond bewiesen die Musiker schließlich, dass sie auch im Poprepertoire sattelfest sind. Das bekannte Mitsing-Lied verwandelte die Kirche für einen Moment in eine beschwingte Festhalle. Zum Abschluss zog das Doppel-Orchester alle Register. Das „ ABBA-Revival“Medley von Thomas Berghoff war eine Hommage an die PopIkonen der 1970er Jahre. Mit „Waterloo“, „Chiquitita“ und „Super Trouper“ erklang pure Nostalgie. Der krönende Abschluss folgte jedoch mit Thiemo Kraas’ „80er Kult(tour)“, einem Medley mit Hits wie „Skandal im Sperrbezirk“ und Falcos „Rock Me Amadeus“. Die Zugabe „ Coldplay on Stage“ vereinte schließlich Moderne und Emotion. Mit „Clocks“, „Lost!“ und „ Viva la Vida“ verabschiedeten sich die Musiker von einem begeis terten Publikum. Was als Projekt begann, wur de am Samstagabend zu einem starken Zeichen musikalischer Gemeinschaft. Zwischen Tradition und Moderne, zwischen Marsch und Pop zeigte das Konzert, dass Blasmusik lebt, atmet und berührt.

 

Die Idee zur Kooperation beider Vereine war nach der letzten Födekam-Einstufung entstanden.

 

Das Gemeinschaftskonzert des Kgl. Musikvereins „Echo vom Hochtumsknopf“ Maldingen und des Kgl. MV „Echo vom Buchenberg“ Rodt fand großen Anklang.

 

Nico Deinema, Dirigent des Kgl. MV „Echo vom Hochtumsknopf“ Maldingen:

„Ich möchte mit dem Verein wachsen“

 

Nach dem Konzert in der Maldingen Pfarrkirche unterhielt sich Gerd Hennen mit dem neuen Dirigenten des Kgl. Musikvereins „Echo vom Hochtumsknopf“, Nico Deinema.

Wie kam es zu Ihrem Engagement hier in Maldingen?
Ich hatte die Dirigentenausbildung an der Musikakademie abgeschlossen und war auf der Suche nach einem Verein. Das Jugendorchester leitete ich bereits seit drei Jahren, sodass in mir der Wunsch reifte, eine größere Harmonie zu dirigieren. Ich hörte, dass Maldingen einen Dirigenten suchte, und nach zwei Testproben stand meine Entscheidung fest. Das Bauchgefühl war gut und die Chemie hat einfach gepasst.

Welche sind Ihre mittelfristigen Ziele?
Die Arbeit mit den Musikern macht großen Spaß und ist äußerst positiv. Kurz- und mittelfristig möchte ich den Verein und das Umfeld hier in Maldingen besser kennenlernen. Dann werden wir schauen, wohin uns die Reise führt.

Und langfristig?
Auf jeden Fall verfolge ich persönlich das Ziel, mich als Dirigent weiterzuentwickeln und dazuzulernen. So nehme ich beispielsweise nächste Woche am Dirigentenseminar des Födekam-Verbandes teil. Generell möchte ich hin und wieder Projekte machen, bei denen
ich selber noch etwas lernen kann. In diesem Zusammenhang war es mir auch wichtig, einen Verein zu übernehmen, mit dem ich wachsen kann, ohne unter ständigem Erwartungsdruck zu stehen. Maldingen ist für mich somit eine tolle Gelegenheit, da ich als junger Dirigent noch ganz am Anfang stehe.

Als Leiter des Jugendorchesters in Kelmis legen Sie sicherlich auch großen Wert auf die Nachwuchsarbeit?
Auf jed en Fall. In Maldingen haben wir einige Jungmusiker, die auch an der Musikakademie ausgebildet werden. Mein Ziel ist es, diese Jugendlichen in den großen Verein zu integrieren und ihnen die Freude und Faszination des Ensemblespiels näherzubringen.

Haben Sie Unterschiede in der Mentalität zwischen dem Norden und den Süden festgestellt?
Nein. Ich verstehe mich mit allen Leuten wunderbar, denn Nico die gemeinsame Freude an der Musik verbindet. Harmonie und Geselligkeit sind die Trümpfe eines Musikvereins, und das wird hier in Maldingen vorbildlich vorgelebt. (gh)

Quelle: Grenz-Echo 20.10.2025

 

Last modified: Oktober 25, 2025

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