MALDINGEN Hier zu leben, das ist es uns wert!

Wirtzfeld pflanzt vor : Eifel-Dörfer stärken ihre „grüne Infrastruktur“

November 14, 2025

LEADER-PROJEKT (Von Allan Bastin)

Um die „grüne Infrastruktur“ ihrer Heimat zu stärken, haben sich mehrere Ortschaften im Süden Ostbelgiens dem Leader-Projekt „Grüne Dörfer“ angeschlossen.
Auf Grundlage einer umfassenden Bestandsaufnahme entstehtderzeit ein Maßnahmenkatalog, der schrittweise umgesetztwird. Ein sichtbarer Schritt erfolgte am Freitag mit einer Pflanzaktion in Wirtzfeld.

In der belgischen Eifel haben Landschaft, Klima und Kultur zur Entstehung unterschiedlicher Dorftypen geführt. Während in der Hocheifel vor allem große Haufendörfer und Streusiedlungen vorkommen, prägen im Ourtal kleinere, teils locker verteilte Dörfer das Bild. Diese Siedlungsformen entwickelten sich im Zusammenspiel mit der landwirtschaftlichen Nutzung und führten zu einer vielfältigen Dorfstruktur aus Gebäuden, Gärten,Wiesen, Feldern und Wegen.
„Durch traditionelle Bewirtschaftung entstanden wertvolle Lebensräume: Baumreihen, Hecken, Obstgärten und Feuchtbiotope fördern die Biodiversität und prägen das regionale Landschaftsbild. Doch die Intensivierung der Landwirtschaft, Flächenversiegelung, Bebauung und der Klimawandel bedrohen diese Vielfalt. Invasive Arten und der Verlust alter Anbauformen verändern zunehmend das Erscheinungsbild der Dörfer“,heißt es einleitend zum Leader-Projekt „Grüne Dörfer, Resilienz und aktive Dorfgemeinschaften“, das genau an dieser Stelle ansetzen möchte: „Das Zielist die Stärkung von grüner (und blauer) Infrastruktur in und um die Dörfer,um die Artenvielfalt, die Resilienz gegenüber den Folgen des Klimawandels und die Einbindung der Dörfer in die Landschaft weiter zu steigern.“

Dabei sind: Wirtzfeld, Weywertz, Schönberg, Espeler, Maldingen und Lommersweiler.

Konkret durften sich Dorfgemeinschaften, Vereine und engagierte Privatpersonen auf dem Gebiet der Lokalen Arbeitsgruppe (LAG) „100 Dörfer– 1 Zukunft“ melden und ihr Dorf für das Projekt vorschlagen. Es wurde vorausgesetzt, dass das nötige Interesse am Erhalt der Biodiversität besteht und sich die beteiligten Akteure aktiv an der Projektumsetzung beteiligen. Schließlich sollte die Bereitschaft bestehen, sich um die Pflege und nachhaltige Nutzung der geschaffenen Infrastruktur, auch nach Beendigungdes Projekts selbstständig zu kümmern. Berücksichtigt wurden Wirtzfeld, Weywertz, Schönberg, Espeler, Maldingen und Lommersweiler.
Der erste Schritt besteht aus einer Landschaftsanalyse, die eine Bestandsaufnahme der wichtigsten Elemente des Dorfes und eine Entwicklungsanalyse umfasst, um die historischen und kulturellen Besonderheiten der ausgewählten Dörfer hervorzuheben. Gleichzeitig wird ein Inventar mit allen Grünflächen und Freiflächen in den Dörfern erstellt. Im Anschluss an die Studie sollen in Workshops mit den Dorfbewohnern Pläne für Maßnahmen erstellt werden, um die Artenvielfalt im ländlichenRaum zu erhalten. „Im Austausch wird festgelegt, welche Maßnahmen umsetzbar sind“, erklärt Xavier Bosch, der zuständige Mitarbeiter des Naturparks Hohes Venn – Eifel. „Die Projekte müssen finanzierbar sein, aber es muss auch die nötige Unterstützung im Dorf gegeben sein.“ So sollen pro Dorf bis zu drei Maßnahmen umgesetzt werden.

In Wirtzfeld ist der Prozess am weitesten gediehen. So haben Dorfleute und Schulkinder am Freitag fast 50 Obstbäume an verschiedenen Stellen im Ortskern und außerhalb gepflanzt. „Wir setzen auf regionale Sorten wie Äpfel, Birnen, Süßkirsche, Sauerkirsche, Esskastanien und Pflaumen. Diese kommen mit den regionalen Bedingungen gut zurecht“, weiß unser Gesprächspartner.
Der Ankauf wird durch den Naturpark finanziert und die Eigentümer der Parzellen verpflichten sich, die Obstbäume mindestens 25 Jahre stehen zulassen. Auf zwei Parzellen übernimmt die Schule eine Baumpatenschaft. Gemeinsame Saftpressaktionen könnten daraus resultieren. Am Freitag wurden außerdem Obstbäume in Espeler und Oudler ausgeliefert.

In Wirtzfeld werden Obstbäume und Hecken gepflanzt sowie ein Gartenhaus begrünt.
In einem nächsten Schritt werden in Wirtzfeld etwa 800 Weißdornpflanzen an Landwirte verteilt, um insbesondere den Heckenerlebnispfad aufzustocken. An einer Permakultur, die gemeinschaftlich genutzt wird, wird das Dach eines Gartenhauses begrünt.
Wenngleich sich bestimmte Maßnahmen überschneiden werden, sollen dieDörfer zeitversetzt an die Reihe kommen, um die Organisation und die Umsetzung zu vereinfachen. Auf Wirtzfeld folgt Espeler, wo das Brainstorming im vollen Gange ist. „Bei jeder Idee stellen wir uns dieFragen: Ist sie ökologisch wertvoll und stellt sie einen Mehrwert dar? Gibt es genügend Interesse in der Dorfbevölkerung?“, erklärt der Projektleiter. „So versuchen wir die Prioritäten zu setzen. In Espeler ist beispielsweise ein Tümpel mit Trittsteinhabitaten angedacht, der allerdings mit Kosten und Aufwand verbunden ist.“
Als Partner des Naturparks tritt das Forschungszentrum Agra-Ost auf. In die Leader-Projekte fließen Fördergelder der Wallonischen Region und derEuropäischen Union. Diese reichen aber nicht aus, um die geplanten Maßnahmen zu finanzieren, daher sind die Projektleiter stets auf der Suche nach Subventionen.
Die Anstrengungen in den teilnehmenden Dörfern sollten nicht 2027 mit dem Leader-Projekt enden, betont Xavier Bosch. „Die Initiative soll gewissermaßen ein Stein des Anstoßes sein, damit sich die Eifelgemeinden und insbesondere die einzelnen Ortschaften verstärkt mit ihrer grünen Infrastruktur auseinandersetzen.“

Quelle: www.grenzecho.net 14.11.25

 

Last modified: November 20, 2025

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert