MALDINGEN Hier zu leben, das ist es uns wert!

Aus Wald und Hingabe gemacht

Dezember 22, 2025

Hedwig Gillessen (l.) und Petra Lenges gestalten die Maldinger Weihnachtskrippe seit einem Vierteljahrhundert mit Herz, Geduld und viel Liebe zur Natur.

 

Wenn sich in der Maldinger Kirche der Duft von Moos mit dem leisen Knistern der Vorfreude mischt, knorrige Wurzeln, knüppelige Äste und kleine Naturwunder ihren Platz finden und suchende Kinderaugen ein freches Lämmchen entdecken, das aus dem Stall hervorschaut, dann ist klar: In Maldingen wird Weihnachten nicht nur gefeiert, sondern zelebriert – mit Herz, Geduld und einer guten Portion ostbelgischer Beharrlichkeit. Seit 25 Jahren zeichnen Hedwig Gillessen und Petra Lenges für den Krippenbau in der Pfarrkirche verantwortlich. (Von Gerd Hennen)

Der Krippenbau hat in Maldingen eine lange, bodenständige Tradition. Über viele Jahre kümmerte sich Küster Adolf Lenges um eine eher schlichte Krippe: Stall, Figuren, fertig. Zweckmäßig, würdig, ohne großes Aufheben.
Doch 1999 regte sich der leise Wunsch nach mehr Tiefe, mehr Atmosphäre und mehr Natur. Hedwig Gillessen und Petra Lenges, die bereits seit Jahren für den Blumenschmuck in der Kirche zuständig waren, hatten eine Idee, die anfangs Stirnrunzeln auslöste: Warum die Krippe nicht weiterdenken? Gesagt, getan, geschaut: Ein Besuch der Krippana in Hergersberg öffnete die Augen – und die Fantasie. Schnell war klar, wohin die Reise gehen sollte. Die beiden „Blumenfrauen” entschieden sich für eine Naturkrippe, die konsequent durchdacht und ausschließlich aus Materialien aus Wald und Flur gefertigt und zusammengestellt wurde. „Wir wollten keine Plastikidylle, keinen künstlichen Zauber, sondern das, was unsere schöne Landschaft selbst hergibt: Natur pur – ehrlich, rau, schön“, so Petra Lenges rückblickend.
Was folgte, war kein Schnellschuss, sondern ein echtes Gemeinschaftswerk, wie es für ostbelgische Dörfer typisch ist. Die Schreiner Bruno und Rudi Lenges zimmerten einen stabilen Unterbau. Die Junggesellen machten sich im nahegelegenen Weister Venn zusammen mit den beiden Verantwortlichen auf die Suche nach Wurzelmaterial. Dieses wurde später mühsam gereinigt und vorbereitet. Bis heute ist klar geregelt: Der JGV übernimmt Aufbau, Abbau und Lagerung der Krippe. „Verlässlichkeit, Jahr für Jahr. Tradition lebt vom Mitmachen”, so Hedwig Gillessen.
„Natürlich war anfangs nicht jeder überzeugt. Doch das Ergebnis sprach für sich. Die Resonanz war positiv und motivierend, und mit jedem Jahr wuchs die Krippe weiter“, erklärt Petra Lenges. Es kamen neue Figuren hinzu, die mit Bedacht ausgewählt wurden. Im Jahr 2010 kam schließlich die Heilige Familie hinzu, kolorierter Gips, erworben bei einem Spezialisten für Kirchenutensilien in Bastogne.Und dann ist da noch dieses eine Detail, das vor allem bei den jüngsten Krippenbeobachtern längst Kultstatus hat: ein kleines Lämmchen, das neugierig aus dem Stall herausschaut. „Es ist für Kinder ein Magnet und für Erwachsene einen stillen Schmunzler wert“, meint Hedwig Gillessen.
Die Besuche der Schulkinder sind für die beiden Krippenbauerinnen ein besonderer Höhepunkt. Da wird gefragt, gestaunt und entdeckt. Sie lernen, dass Weihnachten Zeit und Hingabe braucht und dass die Krippe nicht einfach aufgebaut, sondern jedes Jahr neu erschaffen wird. Auch finanziell gehen Hedwig Gillessen und Petra Lenges ihren eigenen Weg. Krippe, Figuren und Zubehör werden aus der Blumenschmuck-Spendenkasse finanziert und somit von der Dorfbevölkerung selbst getragen. Es steht kein großes Budget zur Verfügung, sondern es sind viele kleine Beiträge, die still, solidarisch und nachhaltig sind, wie es in Maldingen seit jeher üblich ist.

Bereits lange vor dem ersten Advent begeben sie sich in den Wald und suchen nach Material.

Die eigentliche Arbeit beginnt lange vor dem ersten Advent. Mit offenen Augen ziehen die beiden Damen – unterstützt von Bruno und Rudi Lenges – durch die umliegenden Wälder. Sie suchen frisches Moos, knorrige Äste und markante Formen. „Wir suchen jedes Jahr neues Moos“, sagen sie. „Was für andere unscheinbar ist, ist für uns ein wertvolles Mosaiksteinchen.“ Über 40 Jahre Erfahrung in der Blumendekoration bei Hedwig Gillessen und über 30 Jahre bei Petra Lenges – das sieht und spürt man sofort.
Auch Licht, Elektrik und Wasserspiel gehören längst zum Gesamtkunstwerk – alles in Eigenregie. Und weil Stillstand nicht ihre Sache ist, gibt es in diesem Jahr sogar einen Bewegungsmelder, der bei Besuchern dezente weihnachtliche Hintergrundmusik auslöst. Gerade außerhalb der Messzeiten sorgt diese für jene Stimmung, die man nicht erklären, sondern fühlen muss. Bei aller Offenheit nach außen gibt es einen Moment, der ganz ihnen gehört. Nach getaner Arbeit, wenn alles steht, setzen sich Hedwig Gillessen und Petra Lenges in die erste Bank. „Fünf Minuten. Stille. Betrachtung. Einkehr. Das ist unser Startzeichen für Weihnachten“, sagen sie und definieren damit das wahre Geheimnis von Weihnachten.
Die Krippe stößt auf breite Zustimmung in der Bevölkerung – und genau dieses Feedback ist der Motor, weiterzumachen. Am Konzept wollen die beiden Damen jedoch nichts ändern. „Der Stall bleibt das Herzstück. Die Natur bleibt Natur. Und die Krippe bleibt das, was sie immer war, ein Gesamtkunstwerk aus Tradition, Fantasie und innerer Ruhe“, so ihre Philosophie. 25 Jahre Krippenbau sind keine Selbstverständlichkeit. Sie sind Ausdruck von Hingabe, Verlässlichkeit und Liebe zum Detail. Die beiden dynamischen Damen haben sich ein stilles Versprechen gegeben: „Solange Moos wächst, Wurzeln Geschichten erzählen und Menschen innehalten wollen, wird es uns und die Maldinger Weihnachtskrippe geben. Und wir möchte noch viele Jahre Teil dieser Tradition sein.“ Hedwig Gillessen und Petra Lenges sind zwei Frauen, die Weihnachten nicht nur schmücken, sondern möglich machen.

 

Geschmückt wird die Szenerie von vielen Details.

 

Die Krippe besteht weitesgehend aus Naturmaterialien.

 

Der JGV Maldingen übernimmt Aufbau, Abbau und Lagerung.

 

Quelle: Grenz-Echo 22.12.2025

 

Last modified: Dezember 24, 2025

Comments are closed.