Wer am Samstagabend die Maldinger Pfarrkirche betrat, merkte schnell: Hier ging es nicht nur um ein weiteres Konzert im Jahreskalender. Die Bänke waren gut gefüllt, viele kannten sich, man nickte sich zu, rückte zusammen. Das Gemeindechortreffen hat in der Großgemeinde längst den Charakter eines musikalischen Klassentreffens – mit ernstem Kern und viel Herz für den gemeinsamen Gesang. Gastgeber war diesmal der Kgl. Kirchenchor St. Johann Maldingen, der fünf befreundete Ensembles willkommen hieß.
Der Abend begann bewusst leise. Präsident Ludwig Maraite trat ans Pult und bat zunächst um eine Schweigeminute für den verstorbenen Sangesbruder Michael Jacoby, der beim letzten Maldinger Chortreffen 2018 plötzlich aus dem Leben gerissen worden war. In der Kirche wurde es vollkommen still. Ein Moment, der unter die Haut ging und den Ton für einen Abend setzte, der zwischen Nachdenklichkeit und musikalischer Lebensfreude pendelte. Maraite fand klare Worte für die Gegenwart. Die „Untugend“ stehe im Rampenlicht, die Gier zeige sich täglich in allen Facetten. Sein Appell gegen das Prinzip „nach mir die Sintflut“ wirkte wie ein Weckruf. Das Chortreffen, so der Präsident, sei ein bewusstes Innehalten „in dieser komplett aus den Fugen geratenen Weltordnung“. Was folgte war gelebtes Gemeinschaftsgefühl in Majeur und Mineur durch die verschiedenen Stilepochen hindurch.
Den musikalischen Auftakt gestaltete der gastgebende Kgl. Kirchenchor St. Johann Maldingen unter der Leitung von Jean-Luc Rousseau. Schon mit „Komm, Trost der Welt“ wurde klar, dass hier sorgfältig an Klangfarben gearbeitet worden war. Die spätromantische Wärme des Eichendorff-Textes entfaltete sich in ruhigen Bögen, die der Chor mit sicherer Linienführung und bemerkenswerter Homogenität trug. Mit „Schöne Nacht“ wechselte die Stimmung in eine sanfte, beinahe schwebende Abendruhe. Der Chor zeichnete die poetischen Bilder von Carl Busse mit weichen Klangflächen nach. Emotionaler Höhepunkt des Maldinger Beitrags war jedoch „Trag mi, Wind“. Die steirische Mundart verlieh dem Stück eine besondere Erdung, und der Chor traf genau jenen schmalen Grat zwischen Trost und Trauer, der dieses Werk so wirkungsvoll macht.
Einen frischen Kontrast setzte anschließend der Chor Contento Lascheid unter der Leitung von Marie Weis. Mit „Ehrenwort“ der Fäaschtbänkler zog spürbar moderne Popenergie durch das Kirchenschiff. Der Chor präsentierte sich rhythmisch wach und mit hörbarer Freude am Genrewechsel. Richtig Fahrt nahm der Auftritt mit „Na Na Na“ von Pentatonix auf. Die a-cappella-Nummer verlangte präzises Timing und saubere Einsätze. Die Vocal-Percussion saß, die Harmonien waren dicht geschichtet, und das Publikum wippte stellenweise sichtbar mit. Mit Florian Künstlers „Weiße Haare“ schlug der Chor wieder leisere Töne an. Die emotionale Botschaft der lebenslangen Verbundenheit kam ohne übertriebene Dramatik aus. Statt großer Gesten setzte das Ensemble auf ehrliche Linien. Der Kirchenchor St. Mathias aus Dürler unter der Leitung von Roland Close brachte anschließend eine deutlich spirituell geprägte Klangfarbe ein.
„Auge im Sturm“ wurde ruhig aufgebaut und entwickelte sich zu einer getragenen Meditation über die Hektik des Alltags. Mit „Zehntausend Gründe“ fand der Chor zu einer geschlossenen Ensembleleistung, die die Botschaft von Dankbarkeit und Vertrauen glaubwürdig transportierte. Der Kanon „Lobe den Herrn! Sing ihm Dein Lied!“ setzte einen würdigen musikalischen Schlusspunkt für Dürler. Dass es nicht immer große Besetzungen braucht, zeigte der Kirchenchor St. Cäcilia Steffeshausen-Auel unter der Leitung von Jeannine Faha-Richter. Mit nur acht Sängerinnen und Sängern wusste der Chor zu überzeugen. „Gott, wenn du uns segnest“ erklang in sauberer Linienführung. Das historische „Morgenlied“ von Hans-Georg Nägeli brachte eine fast volksliedhafte Leichtigkeit in den Raum. Beim abschließenden „Ave Maria“ von Michael Aschauer zeigte sich das Ensemble getragen, rund und mit schöner Raumwirkung.
Ein gemeinsamer Schlussakkord mündet in anhaltenden Applaus.
Zum Finale übernahm der Chor Carpe Diem Thommen unter Katrin Greven und sorgte noch einmal für frische Energie. „Sisi ni moja“ sprang förmlich von der Bühne in die Kirchenbänke. Rhythmisch präzise, mit hörbarer Spielfreude und gut abgestimmten Einsätzen gelang eine mitreißende Darbietung.
Der Gemeinschaftsgedanke „Wir sind eins – und nur gemeinsam sind wir stark“ passte dabei perfekt zum Leitmotiv des Abends. Mit „Ihr von Morgen“ wurde es nachdenklicher. Die ökologische Mahnung und der generationenübergreifende Blick von Udo Jürgens und Heinz-Rudolf Kunze wurden ernst genommen und differenziert gestaltet. Der Abend fand seinen würdigen Abschluss mit „Bridge over troubled water“. Die bekannte Melodie breitete sich warm im Kirchenschiff aus, und für einen Moment schien tatsächlich das einzutreten, was Präsident Maraite eingangs beschworen hatte: ein starkes musikalisches Wir-Gefühl.
Am Ende gab es nach einem gemeinsamen Schlussakkord „Großer Gott wir loben Dich“ langen, ehrlichen Applaus. Wer an diesem Samstagabend in der Kirche saß, nahm mehr mit als schöne Chormusik. Er nahm die Gewissheit mit, dass Gemeinschaft, trotz aller Unruhe draußen in der Welt, immer noch hörbar sein kann.
Der Kirchenchor St. Mathias Dürler überzeugte mit ruhiger, spiritueller Klangtiefe und geschlossener Ensembleleistung.
Der Chor Contento begeisterte mit moderner Popenergie und spürbarer Freude.
Der Kirchenchor St. Cäcilia Steffeshausen-Auel zeigte feinen, getragenen Chorklang in kleiner Besetzung.
Der Chor Carpe Diem brachte mit rhythmischer Präzision und Energie den Gemeinschaftsgedanken auf die Bühne.
Quelle: Grenz-Echo 02.03.2026
Last modified: Mai 12, 2026



