Gemeinde: Schöffe Serge Dollendorf stellt Amt aus zeitlichen Gründen zur Verfügung – Nachfolger Chris Maus vereidigt
Im Gemeinderat von Burg-Reuland wurde am Dienstagabend der angekündigte Personalwechsel vollzogen: Serge Dollendorf (Aktiv gestalten/AG) stellte sein Schöffenmandat nach gut sieben Jahren im Amt aus zeitlichen Gründen zur Verfügung. Als sein Nachfolger wurde seine Fraktionskollege Chris Maus vereidigt. (Von Arno Colaris)
Für Serge Dollendorf, der seit seinem Einzug in den Gemeinderat 2018 als Schöffe über die Gemeindefinanzen wachte und ferner Verantwortung für die Ressorts Wasserversorgung, Umwelt und Müllentsorgung sowie Wirtschaftsförderung trug, war es ein Rückzug „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“.
Rückblick mit lachendem und weinendem Auge
Bevor sein Nachfolger Chris Maus vor zahlreichem Publikum den Eid auf die Verfassung ablegen konnte, sprach der 54 Jahre alte Weweler seinen Kollegen im Gemeinderat und den Ex-Kollegen aus der vergangenen Legislaturperiode seinen Dank für „eure Geduld, manche Ausschweifungen und das in mich gesetzte Vertrauen aus“.
Er blicke zurück auf eine „schöne und sehr aufschlussreiche Zeit, in der ich viel gelernt habe. Und es steht fest, dass ich die Gemeinde nie mehr mit den gleichen Augen wie vorher betrachten werde. Die Arbeit war fruchtbar, aber nicht furchtbar, und für mich bleibt es wichtig, dass unterschiedliche Meinungen in der Gemeindepolitik nicht nur geduldet, sondern erwünscht sind.“
Sein besonderer Dank gelte aber ebenfalls den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Verwaltung und Bauhof. „Wir haben ausgezeichnetes Personal, ohne dessen Vorbereitung und Umsetzung unsere Beschlüsse im Gemeinderat nichts wert wären.“ Nicht zuletzt dankte er seinem Nachfolger Chris Maus, dass er sich bereit erklärt habe, früher als ursprünglich geplant in das Gemeindekollegium nachzurücken: „Der Wechsel sollte ja eigentlich zur Hälfte der Legislaturperiode stattfinden, aber die neuen Mitglieder im Kollegium und auch Chris als Sonderbeauftragter haben sich bereits so gut eingearbeitet, dass wir das jetzt vorziehen können.“
In der Praxis habe er feststellen müssen, dass ein freier Wochentag für ein Schöffenamt nicht ausreiche. Er selbst bleibe dem Gemeinderat aber erhalten und werde immer da sein, wenn sein Rat benötigt werde. Dafür dankte Bürgermeister Alain Stellmann dem abtretenden Schöffen ausdrücklich. „Es war für uns eine sehr angenehme und lehrreiche Zusammenarbeit und wir sind froh, dass du uns als Gemeinderatsmitglied erhalten bleibst.“
Bevor der neue Schöffe vereidigt werden konnte, genehmigte der Rat mit den Stimmen der Fraktion AG das neue Mehrheitsabkommen. Es sieht vor, dass Jean Lafleur auf die Position des ersten Schöffen und stellvertretenden Bürgermeisters vorrückt, zweite Schöffin wird Karla Schommers, an Position drei rangiert der 26 Jahre alte Maldinger Chris Maus. Er wird künftig die Ressorts Wasserversorgung, Umwelt und Müllentsorgung sowie Wirtschaftsförderung übernehmen, während Bürgermeister Alain Stellmann für die Gemeindefinanzen zuständig wird.
Die Minderheitsfraktion Bürgerstimme+ gratulierte Chris Maus, lehnte das Mehrheitsabkommen aber ab, „weil wir ja kein vollständiges Mitspracherecht haben“, wie es Shayne Piront formulierte. In seiner letzten Amtshandlung präsentierte Serge Dollendorf die Gemeinderechnung 2025. Diese schließt mit einem Haushaltsergebnis von 1,356 Millionen Euro ab, „aber diese Zahl für sich alleine ist nicht sehr aussagekräftig“. Das Ergebnis werde begünstigt durch „das bombastische Ergebnis von 1,12 Millionen Euro im eigentlichen Rechnungsjahr, das wiederum größtenteils dem sehr guten Ertrag aus dem Holzverkauf von 700.000 Euro zu verdanken ist.“ Auf der anderen Seite sehe man aber große Übertragungen in den Investitionshaushalt, weil einige Projekte, die noch aus der vorherigen Legislaturperiode stammten, zum Tragen gekommen seien. Insgesamt seien dafür 1,7 Millionen Euro an Eigenmitteln seitens der Gemeinde investiert worden.
Positive Jahresrechnung, aber sinkende Investitionsfähigkeit
Gleichzeitig ziehe es sich aber wie ein roter Faden durch den Haushalt, dass die Investitionsfähigkeit der Gemeinde von Jahr zu Jahr nachlasse. Der Überschuss im ordentlichen Haushalt sinke und eine Folge davon sei, dass die Gemeinde nicht mehr so leicht Kredite aufnehmen könne. Zwar sei der Holzverkauf auch in diesem Jahr mit einem Erlös von einer Million Euro außergewöhnlich gut verlaufen, „jedoch haben wir auch hohe Ausgaben. Zudem müssen wir davon ausgehen, dass die Subventionen seitens der DG sinken werden.“
Die logische Schlussfolgerung sei, dass man auch in Zukunft besonnen mit den Gemeindefinanzen umgehen und Fehlentscheidungen tunlichst vermeiden müsse. „Wir müssen zum einen sparen und zum anderen darauf aus sein, neue Einnahmen zu generieren.“ Bürgermeister Alain Stellmann nahm diesen Ball auf: „Wir wissen, dass es nicht
rosig ist. Manche Gemeinden stehen besser da, andere noch schlechter, aber die Tendenz geht überall in die gleiche Richtung.“ Buchstäblich sehen könne man das bei der Verschlechterung des Zustands der Gemeindewege, meinte Ratsmitglied Romano Schmitz. „Wenn wir nicht mehr in der Höhe der Abschreibungen investieren können, verarmen wir“, bestätigte Serge Dollendorf.
Der neue Schöffe Chris Maus bei seiner Eidesleistung vor Bürgermeister Alain Stellmann.
Quelle: Grenz-Echo 30.04.2026
Last modified: Mai 12, 2026


