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Lichtblicke am längsten Tag des Jahres

Juni 23, 2026

Konzert zur Sommersonnenwende in der Maldinger Pfarrkirche: Der gastgebende Männerchor „St. Johann“ ließ die ersten Sonnenstrahlen am längsten Tag des Jahres hörbar werden.

Kultur: Chorkonzert zur Sommersonnenwende setzt in Maldingen musikalische Zeichen der Hoffnung

Die Sommersonnenwende gilt als Symbol für Licht, Wärme, Wachstum und den Höhepunkt des Jahres. Wenn die Tage ihren längsten Bogen über den Himmel spannen und die Natur in voller Blüte steht, feiern viele Kulturen den Triumph des Lichts über die Dunkelheit. Genau dieser Gedanke der Hoffnung und Zuversicht stand am Sonntagvormittag im Mittelpunkt eines Chorkonzerts in der Pfarrkirche von Maldingen (Von Gerd Hennen)

In sener Begrüßungsansprache ging der Präsident des gastgebenden Kirchenchors „St. Johann“, Ludwig Maraite, auf die Weltlage ein. Angesichts der zahlreichen Konflikte, Krisen und Unsicherheiten in der Welt warnte er vor einem allzu sorglosem Optimismus. Gleichzeitig plädierte er dafür, die kleinen Freuden des Alltags nicht aus den Augen zu verlieren.

Licht und Zuversicht in einer oft dunklen und schwer verständlichen Welt.

Die Sommersonnenwende sei gerade deshalb ein Hoffnungsgeber. Der längste Tag des Jahres mit Sonnenaufgang um 4.44 Uhr und Sonnenuntergang um 21.31 Uhr schenke den Menschen Licht und Zuversicht in einer oftmals dunklen und schwer verständlichen Welt. Wer aufmerksam durchs Leben gehe, könne auch heute noch viele positive Zufälle, Begegnungen und Augenblicke entdecken, auf denen man aufbauen könne. Passender hätte das Motto des Konzertvormittags kaum gewählt werden können.
Unter der Leitung von Jean-Luc Rousseau eröffnete der gastgebende Männerchor das Konzert mit dem „Kyrie“ von Piotr Janczak. Die eindringlichen Bittrufe verliehen dem Konzert einen feierlichen und zugleich nachdenklichen Auftakt. Dabei entwickelten die Stimmen eine Klangfülle, die den Kirchenraum rasch mit einer besonderen Atmosphäre erfüllte. Mit Robert Prachts „Das Morgenrot“ wechselte der Chor anschließend zu einem Werk, das wie geschaffen schien für eine Veranstaltung rund um die Sommersonnenwende. Die musikalische Darstellung des anbrechenden Tages ließ die ersten Sonnenstrahlen förmlich hörbar werden und griff die Symbolik von Neubeginn und Hoffnung auf.
Besondere Akzente setzte anschließend „Danny Boy“. Das bekannte irische Lied erhielt durch das einfühlsame Solo von Jean-Jacques Rousseau am Sopransaxofon zusätzliche emotionale Tiefe. Sehnsucht, Erinnerung und Verbundenheit verschmolzen zu einem bewegenden Gesamtbild. Mit „Caravan of Love“ folgte schließlich ein moderner Klassiker, dessen Botschaft von Zusammenhalt, Menschlichkeit und gegenseitiger Unterstützung hervorragend zum Charakter des Konzerts passte. Jean-Luc Rousseau übernahm den Solopart und überzeugte mit einer ausdrucksstarken Interpretation. Als Zugabe schenkte der Chor dem Publikum mit Udo Jürgens „Ihr von Morgen“ eine musikalische Liebeserklärung an die kommenden Generationen. Begleitet wurde der Chor von Gerhard Proes am Klavier.
Ganz andere Klangfarben brachte der Melody-Chor Rocherath-Krinkelt unter der Leitung von Matthias Verniers nach Maldingen. Die aus rund 30 Sängerinnen sowie den beiden „geduldeten Männern“ Matthias Verniers und Gerhard Proess bestehende Formation präsentierte ein modernes Programm mit viel Rhythmus und Emotion. Das beschwingte „Sway“ sorgte für südamerikanisches Flair. Mit Ed Sheerans „I See Fire“ zog anschließend eine geheimnisvolle, beinahe mystische Stimmung durch die Kirche. Das Lied über Feuer, Naturgewalten und Zusammenhalt passte erstaunlich gut zur Symbolik der Sonnenwende, bei der das Feuer seit jeher eine zentrale Rolle spielt. „Another Love“ von Tom Odell und „True Colors“ von Cyndi Lauper zeigten die emotionale Bandbreite des Chores. Mit Peter Fox’ „Haus am See“ wurden Träume und Sehnsüchte nach einem erfüllten Leben musikalisch greifbar. Für Begeisterung sorgte auch das ungewöhnliche Medley aus „Sweet Dreams (Are Made of This)” von den Eurythmics und „Poker Face“ von Lady Gaga. Dabei bewies der Chor eindrucksvoll, wie selbstverständlich moderne Popmusik ihren Platz in der heutigen Chorliteratur gefunden hat. Der Auftritt endete mit Pharrell Williams’ Welthit „Happy“, dessen positive Energie unmittelbar auf das Publikum übersprang. Als Zugabe erklang das gefühlvolle „Yellow“ von Coldplay.
Den Abschluss des Konzertvormittags gestaltete der Kgl. St. Cäcilien Gesangverein Walhorn unter der Leitung von Marie Pack. Der Chor präsentierte ein facettenreiches Klangspektrum unterschiedlicher Stilrichtungen, Sprachen und musikalischer Traditionen. Mit dem Spiritual „My Soul’s Been Anchored“ wurde zunächst ein kraftvolles Glaubensbekenntnis vorgetragen. Es folgte das Ardenner Volkslied „Éveille-toi, Renaud“, das die regionale Tradition in den Mittelpunkt stellte. Mit „Time“ von Jennifer Lucy Cook wurde daran erinnert, wie schnell die Zeit vergeht – ein Gedanke, der gerade an der Sommersonnenwende eine besondere Bedeutung erhält. Denn mit dem längsten Tag des Jahres beginnt bereits die langsame Rückkehr der Dunkelheit. Mit „Chua-ay“, einem vietnamesischen Volkslied über die Reisernte, öffnete sich das Programm in Richtung fernöstlicher Klangwelten. Herbert Grönemeyers „Der Weg“ sorgte für einen emotionalen Höhepunkt, ehe mit Natasha Bedingfields „Unwritten“ der Blick wieder nach vorn gerichtet wurde. Das Lied erzählt davon, dass die Zukunft noch ungeschrieben ist und jeder Mensch die Möglichkeit besitzt, seine eigene Geschichte zu gestalten.

Ein Vormittag, der weit mehr als Unterhaltung bot.

Auch „What About Us“ von Pink traf den Nerv der Zeit und stellte Fragen nach Zusammenhalt und gesellschaftlicher Verantwortung. Mit dem Gospel „I Sing Because I’m Happy“ setzte der Chor schließlich den Schlusspunkt unter seinen Auftritt und zugleich unter das gesamte Konzert. Die Botschaft hätte deutlicher kaum sein können: Singen macht glücklich. Als Zugabe erklang das weltbekannte „Viva la Vida“, das den Konzertvormittag kraftvoll abrundete. Die Pianobegleitung übernahm Thomas Desseranno. Als die letzten Töne verklungen waren, blieb der Eindruck eines Konzertvormittags, der weit mehr als bloße Unterhaltung bot. Die drei Chöre hatten die Symbolik der Sommersonnenwende auf unterschiedliche Weise musikalisch interpretiert: als Feier des Lichts, als Erinnerung an die Vergänglichkeit der Zeit, aber auch als Ausdruck von Hoffnung und Lebensfreude. In einer Welt, die oft von schlechten Nachrichten geprägt ist, wirkte das Konzert in Maldingen wie ein kleiner Gegenentwurf. Vielleicht waren es genau jene „kleinen Freuden“, von denen Präsident Ludwig Maraite gesprochen hatte, die an diesem Sonntagvormittag in der Pfarrkirche besonders spürbar wurden – verpackt in Harmonien, Melodien und Stimmen, die den längsten Tag des Jahres mit viel Herz und Wärme begrüßten.

Der Melody-Chor Rocherath-Krinkelt präsentierte ein modernes Programm mit viel Rhythmus und Emotion.

Der Kgl. St. Cäcilien Gesangverein Walhorn interpretierte u. a. Werke von Herbert Grönemeyer und Pink.

Quelle: Grenz-Echo 23.06.2026

Last modified: Juli 19, 2026

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