Religion: 306. Ardennenwallfahrt von Lendersdorf nach Saint-Hubert – Bruno Lenges aus Maldingen zum 20. Mal als Pilger dabei
Ein Termin mit Tradition: am Freitag nach Christi Himmelfahrt machen die Fußpilger auf dem Weg von Lendersdorf/Düren nach Saint-Hubert in den Ardennen Station in der Bütgenbacher Pfarrkirche, wo gut sichtbar am Eingang eine Gedenktafel an die 300. Wallfahrt erinnert. Die diesjährige Ardennenwallfahrt ist bereits die 306. Fußwallfahrt in der langen Lendersdorfer Pilgergeschichte seit 1720. (Von Lothar Klinges)
Besondere Ehre erfuhr der geistliche Begleiter in Bütgenbach, Pastor Georg Neuenhofer, der bereits zum 35. Mal die Pilgergruppe als Seelsorger leitet. Im Jahr 1986 musste sich die Pilgergruppe ohne einen Priester auf den Weg machen. Bei einem Grillfest bat ihn daher ein Fußpilger aus seinem Pfarrverband, an der Wallfahrt teilzunehmen.
Jedes Jahr auch Teilnehmer aus dem Pfarrverband
Burg-Reuland
„Nach einigen Bierchen habe ich dann zugesagt“, erinnert sich Georg Neuenhofer, der vor wenigen Wochen seinen 85. Geburtstag gefeiert hat und damit der älteste Pilger aller Zeiten dieser Wallfahrt ist. Der gebürtige Mönchengladbacher musste seit 1987 vier Mal u. a. krankheitsbedingt aussetzen. Seit 1996 begleitet der heute 85-Jährige die Gruppe jedes Jahr als Seelsorger. Seit 2017 ist er offiziell im „(Un-)Ruhestand“, aber ist weiterhin im Pastoralteam von Kreuzau, Hürtgenwald, Heimbach und Nideggen tätig.
Unter den Pilgern aus der Dürener und Monschauer Gegend befindet sich jedes Jahr auch eine starke Gruppe aus dem Pfarrverband Burg-Reuland. Dazu gehört Josef Scheuren aus Maldingen, der zum zweiten Mal als Fußpilger teilnimmt. Chris Maus, ebenfalls aus Maldingen, ist hingegen zum ersten Mal dabei und begleitet seine Mutter Sabine Maus, die bereits zum dritten Mal an der Wallfahrt teilnimmt. Während Willy Justen und seine Frau Marita aus Aldringen den Fußweg zum sechsten Mal zurücklegen, gehört Bruno Lenges aus Maldingen bereits zum festen Bestand der Wallfahrtsgruppe. Er feiert in diesem Jahr sogar ein kleines Jubiläum, da er zum 20. Mal nach Saint-Hubert unterwegs ist. Auch Berthold Thoma aus Kalterherberg, der kürzlich einen neuen Roman mit dem Titel „Formel Angst“ geschrieben hat, nahm an der Wallfahrt teil. Im Zentrum seines Buches steht der Ingenieurwissenschaftler Paul Merkenich – ein Mann, dessen Leben von Logik, Analyse und Kontrolle geprägt ist. Doch sein technokratisches Weltbild gerät ins Wanken, als ihn die Diagnose einer schweren Erkrankung trifft. Auf Anraten einer Nachbarin begibt er sich auf die Fußwallfahrt von Lendersdorf nach St.Hubert. Die körperlichen Strapazen, die Einsamkeit der Ardennen und die Begegnungen mit Menschen unterwegs stellen Merkenich vor eine Wirklichkeit, die sich nicht berechnen lässt. Besonders die schlichte Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, denen er in der Pilgergruppe begegnet, öffnen ihm eine neue Perspektive auf das Leben – jenseits von Effizienz und Kontrolle. Was zunächst wie eine Flucht erscheint, entwickelt sich zu einem intensiven Prozess der Auseinandersetzung mit sich selbst.
Mit ihren acht Tagen Dauer und ca. 320 Kilometern Strecke übertrifft die recht anspruchsvolle Fußwallfahrt der St.Hubertus-Bruderschaft von Lendersdorf (Düren) nach Saint-Hubert die heute nicht mehr geübte siebentägige Pilgerfahrt von Monschau zum Mathiasgrab in Trier. Der alte Markt- und Burgort Bütgenbach ist von der Geschichte her eine immer wieder gerne angesteuerte Zwischenstation gewesen. Am Freitagmorgen wurden die Pilger in Bütgenbach herzlich willkommen geheißen und feierten den Pilgergottesdienst. Der 78-jährige Pilgerleiter Rudi Feron, der zum 58. Mal teilnimmt, nahm erstmals mit 14 Jahren an der Fußwallfahrt von Lendersdorf nach Saint-Hubert teil. Seit 38 Jahren leitet der Vater von zwei Kindern die Pilgergruppe. Er sucht für jeden Abend die Unterkünfte und sorgt für die Verpflegung unterwegs.
Die Pilger finden Aufnahme bei Privatpersonen in Maldingen.
„Wir finden überall wie in einer großen Familie eine sehr herzliche Aufnahme. Es ist zweifellos eine große Herausforderung für die 300-Einwohner zählende Ortschaft Maldingen so viele Pilger bei Privatpersonen unterzubringen.“
Zu Christi Himmelfahrt begann für die Pilger die erste Etappe, die sie von Lendersdorf/Düren nach Kalterherberg führte. Von dort zogen sie am Freitagmorgen über den Truppenübungsplatz Elsenborn und Berg nach Bütgenbach, wo nach dem Gottesdienst ein gemeinsames Frühstück in den beiden Bäckereien eingenommen wurde. Die zweite Tagesetappe führte die Pilger von Bütgenbach über Schoppen, Amel und St.Vith nach Maldingen, wo sie in Privatquartieren übernachteten.
Von dort aus ziehen sie nach Bastogne, wo sie am Samstagabend erwartet werden. Am Sonntag erreichen sie schließlich das Pilgerziel Saint-Hubert und kehren am Montagmorgen wieder über Bastogne, Maldingen und Bütgenbach nach Lendersdorf zurück, wo sie am Donnerstag erwartet werden.
Quelle: Grenz-Echo 16.05.2026
Last modified: Juni 4, 2026



