Kommunalpolitik: Nach dem Rücktritt von Serge Dollendorf – Chris Maus rückt in das Schöffenkollegium von Burg-Reuland auf
Mit dem Rücktritt von Serge Dollendorf bekleidet Chris Maus seit Ende April das Amt des dritten Schöffen in der Gemeinde Burg-Reuland – und ist mit 26 Jahren aktuell der jüngste Amtsinhaber in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Zuständig ist er künftig für die Bereiche Wasserversorgung, Umwelt und Abfallentsorgung, Wirtschaftsförderung, Forst- und Landwirtschaft, sanfte Mobilität sowie die LAG „100 Dörfer – 1 Zukunft“. (Von Jan Johanns)
Politisch interessiert war Chris Maus schon lange, der Schritt in die Gemeindepolitik kam jedoch sehr spontan: „Damals ist Danny Schür an mich herangetreten und fragte, ob das nichts für mich wäre und ich doch mal gucken kommen soll. Wir hatten dann eine erste Versammlung, später eine zweite und eine dritte – und irgendwann musste man sich entscheiden, ob man mit auf die Liste geht.“
Das hervorragende Wahlergebnis kam
völlig unerwartet.
Bei den Wahlen im Oktober 2024 folgte für ihn die große Überraschung: Mit 469 Stimmen erzielte er auf der Liste Aktiv gestalten das viertbeste Einzelergebnis aller Kandidaten. „Das war heftig, damit hätte ich niemals gerechnet. Ein Schöffenamt wollte ich aber nicht direkt annehmen, weil ich darauf nicht vorbereitet war – auch, weil es beruflich nicht vorgesehen war, einen solchen Kaltstart hinzulegen.“ Zu dieser Zeit war Chris Maus noch vollzeitig in einem Gartenbaubetrieb angestellt, nachdem er 2024 sein Studium der Agronomie und Forstwirtschaft abgeschlossen hatte.
Gerade das Studium in La Reid führte dazu, dass er zu Beginn der Legislaturperiode als „Sonderbeauftragter“ bereits mit den Zuständigkeiten im Forst sowie in den Bereichen sanfte Mobilität und LAG „100 Dörfer – 1 Zukunft“ betraut wurde. „Dass ich das Schöffenamt von Serge übernehmen werde, wurde damals bei der Verteilung der Zuständigkeiten bereits einmal angesprochen und danach auch konkreter – bis Serge auf mich zukam und seine Rücktrittsabsichten früher als gedacht erklärte“, erinnert sich der Maldinger. Hinter verschlossenen Türen wurde der Wechsel anschließend vorbereitet: „Ab vergangenem Winter habe ich dann immer wieder schon an Kollegiumssitzungen teilgenommen.“ Seine berufliche Tätigkeit im Gartenbaubetrieb hat er mittlerweile auf 80 Prozent reduziert.
Dass das Amt mit Herausforderungen und einem stetigen Lernprozess verbunden ist, sei ihm bewusst – auch wenn er sich der Aufgabe gewachsen sieht: „Sonst hätte ich es nicht angenommen. Man hat im Gemeinderat in den vergangenen anderthalb Jahren ja auch schon einen guten Eindruck und Einblick in verschiedene Angelegenheiten erhalten. So können jetzt auch viele Dinge reibungslos weiterlaufen. Gleichzeitig hat man eine kompetente Verwaltung im Rücken, die man immer fragen kann.“
Kommunikation sieht er als zentrale Aufgabe in der Gemeindearbeit.
Für ihn sei es wichtig, sich durchzubeißen und seine Kompetenzen einzubringen, „auch wenn man mit 26 Jahren das Rad nicht neu erfinden kann“. Gerade die Kommunikation zwischen Verwaltung, Bürgern und anderen Diensten sowie das Einholen unterschiedlicher Meinungen seien ihm bereits in den ersten Wochen als besonders wichtig aufgefallen. „Es ist schon erstaunlich zu sehen, womit die Bürger alles zur Gemeinde kommen – auch bei Themen, für die wir oft gar nicht zuständig sind. Trotzdem muss man die Sorgen der Leute verstehen, sie gegebenenfalls an andere Stellen weiterleiten und versuchen, schnell zu helfen. Wobei ‚schnell‘ in der öffentlichen Verwaltung relativ ist. Vieles ist mit sehr aufwendigen Verfahren verbunden, weil am Ende alles mit öffentlichen
Geldern zusammenhängt. Auch das habe ich bereits lernen müssen.“
Im Bereich seiner Zuständigkeiten habe sich auch sein Blick auf die Arbeit des Gemeinderats
verändert. „Unsere Förster machen wirklich einen guten Job, und der Forst bleibt für uns überlebenswichtig. Deshalb muss man auch dort ständig das Gespräch suchen. Auf den Parzellen, auf denen Forstwirtschaft betrieben
werden kann und wo sie möglich und sinnvoll ist, müssen wir sie auch beibehalten“, so Chris Maus. Auch deshalb sei eine Reform der Forstverwaltung auf Ebene der Wallonischen Region aus seiner Sicht unabdingbar: „Wenn wir als Gemeinde ein Privatunternehmen mit der Verwaltung unserer Wälder beauftragen müssten, wäre die Rentabilität kaum noch gegeben. Dabei geht es nicht nur um die reine Bewirtschaftung der Wälder. Die Förster übernehmen in unserer Gegend zahlreiche weitere Aufgaben, die für die Gemeinden von großer Bedeutung sind: Sie verfügen über polizeiliche Kompetenzen, begleiten Genehmigungsverfahren und sind wichtige Ansprechpartner vor Ort. Ich weiß nicht, ob der Wallonischen Region überhaupt bewusst ist, wie wichtig die Arbeit des Forstamtes für die Gemeinden ist.“
Den Bereich der Finanzen hat Chris Maus nicht von Serge Dollendorf übernommen – auch wenn dies zwischenzeitlich im Raum stand. „Der Haushalt ist schon ein sehr umfangreiches Dossier, das für mich mittlerweile zwar möglich gewesen wäre. Aber ich habe im Kollegium gesagt, dass ich mich zunächst eher auf die anderen Themenbereiche fokussieren möchte. Schließlich stehen dort große Dinge an, zum Beispiel im Wasserdienst.“
Konkret wird es derzeit bei der Wasseraufbereitungsanlage und Pumpstation Luxibout. Aber auch Personalsorgen im Wasserdienst beschäftigen die Gemeindeverantwortlichen. Weiterhin Thema ist zudem die Kläranlage bei Oudler. Erste Versammlungen mit der AIDE stehen auf dem Programm, auch wenn Chris Maus dabei mit Gegenwind aus der Bevölkerung rechnet. „Abwasser ist umwelttechnisch gesehen im Our- und Ulftal und rund um Oudler ein großes Problem. Leitungen liegen ja bereits, und das Projekt steht eigentlich vor der Realisierung. Die Bedenken der Bevölkerung kann ich dabei natürlich auch verstehen. Nun muss ein Konsens gefunden werden.“
In der LAG „100 Dörfer – 1 Zukunft“ ist Chris Maus seit Beginn der Legislaturperiode Teil des Verwaltungsrats. Dort stünden „einige schöne Projekte vor der Realisierung“, berichtet er. Auf dem Gebiet der Gemeinde Burg-Reuland sind etwa Espeler und Maldingen in das LEADER-Projekt des Naturparks „Grüne Dörfer, Resilienz und aktive Dorfgemeinschaften“ eingebunden. „Für die Ortschaften und die Dorfgemeinschaften ist das sehr fruchtbar.“ Ein weiteres Projekt befasst sich mit der nachhaltigen Gestaltung von Wohnraum, „was auch für unsere Gemeinde – gerade mit den vielen Ruinen in Burg-Reuland – interessant sein kann“. Die Interessen der Dörfer und Bürger der Gemeinde Burg-Reuland im Verwaltungsrat zu vertreten, empfindet er als sehr bereichernd. Dazu gehöre auch, Ergebnisse von Studien in den Gemeinderat hineinzutragen oder aktiv auf Dörfer zuzugehen, wenn er Potenzial für ein Projekt sieht. Das liege ihm auch deshalb nahe, weil er selbst gerne im Dorfleben in Maldingen aktiv ist – unter anderem als Kassierer im Junggesellenverein oder in der Dorfgruppe.
Was er gerne weiter vorantreiben möchte, sei, „über die Gemeindegrenzen hinaus zu denken“. In diese Richtung werde zwar bereits mehr unternommen, etwa bei der gemeinsamen Ausschreibung des Wegeunterhalts mit Amel. Dennoch sollte aus seiner Sicht in verschiedenen Bereichen noch stärker zusammengearbeitet werden.
Der Spaß an der Aufgabe bleibt eine wichtige Voraussetzung.
Ob er in jungen Jahren bereits zu früh für eine langfristige politische Karriere ausgelaugt werde, müsse sich zeigen. „Am Ende des Tages muss es mir Spaß machen – was momentan definitiv der Fall ist.
Wenn nicht mehr, höre ich halt auf. Aber man hat schon die Ambition, etwas zu verbessern und etwas zu erreichen.“
Gerade das ständige Stehen in der Öffentlichkeit habe er in den ersten Wochen bereits deutlich gemerkt. „Zunächst gab es viele Glückwünsche, und im zweiten Satz kamen dann schon Nachfragen, ob ich in diesem oder jenem Bereich nicht tätig werden könnte. Dabei gehe ich auch gerne noch mit Freunden auf den Ball oder die Disco. Und dort bin ich dann schon lieber als Privatperson und nicht als Schöffe unterwegs“, sagt er abschließend.
Quelle: Grenz-Echo 13.06.2026
Last modified: Juni 19, 2026


