Jahreskonzert: Kgl. Musikverein „Echo vom Hochtumsknopf“ Maldingen
„Musik verbindet!“ Treffender hätte der Kgl. Musikverein „Echo vom Hochtumsknopf“ Maldingen das Motto seines Jahreskonzertes am Samstagabend kaum wählen können. Gemeinsam mit dem Kgl. Musikverein St. Josef Hünningen spannte der Gastgeber im Saal Christa Gennen einen bemerkenswert breiten musikalischen Bogen. (Von Gerd Hennen)
Für den Maldinger Dirigenten Nico Deinema war der Abend eine Premiere. Nach seinem ersten Jahr an der Spitze des Vereins stand seine „Konzert-Feuertaufe“ im Saal an. Und die durfte gleich mit reichlich Glanz beginnen. Mit „Arsenal“ von Jan van der Roost setzte der Kgl. MV „Echo vom Hochtumsknopf“ einen ebenso festlichen wie kraftvollen Auftakt.
Das erste Jahreskonzert unter dem neuen Dirigenten Nico Deinema
Mit „Skyward Spirits“ von Jarod Hall änderte sich die Klangwelt grundlegend. Die kompakte sinfonische Reise führte in vier Abschnitten vom „Takeoff“ über das lyrische „Under the Wing“ und den turbulenten „Cloudburst“ bis zu den strahlenden „Blue Skies“.
Dass moderne Blasmusik auch Kino kann, bewies anschließend „Wonka“. Douglas E. Wagner verbindet darin Musik aus dem Film „Wonka“ mit vertrauten Melodien aus der Welt von „Charlie und die Schokoladenfabrik“. „Pure Imagination“ und der unverwüstliche „Oompa Loompa“-Song trafen auf jüngere Titel wie „Scrub Scrub“ oder „You’ve Never Had Chocolate Like This“ – süß, bunt und musikalisch mit reichlich Zuckerguss.
„Wie viel Schokolade ist eigentlich zu viel?“, so die Frage von Moderatorin Caroline Scheuren. Mit „Total Toto“ wurde es rockiger. Arrangeur Klaas van der Woude bündelte mit „Rosanna“, „Africa“ und „Stop Loving You“ drei Titel jener Band, die vor allem in den 1980er Jahren mit ihrer Mischung aus Rock, Pop und ausgefeiltem Sound weltweit Erfolge feierte. Einen völlig anderen Akzent setzte Nico Deinema anschließend mit dem „Nibelungenmarsch“ von Gottfried Sonntag. Die Auswahl kam nicht von ungefähr, denn der Dirigent hat ein besonderes Faible für die Oper und nicht zuletzt für Richard Wagner. Passend zum 150-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele im Jahr 2026 erhielt dieser Programmpunkt zusätzliche Aktualität.
Danach durfte die böhmisch-mährische Seele des Orchesters aufblühen. Die „Gartenpolka“ von Franz Bummerl brachte jene unbeschwerte Leichtigkeit in den Saal, für die traditionelle Blasmusik seit Generationen geliebt wird. Mit „Von Freund zu Freund“ von Martin Scharnagl rückte schließlich das Konzertmotto wieder unmittelbar in den Mittelpunkt.
Die „Böhmische Liebe“ von Mathias Rauch setzte darauf einen weiteren emotionalen Akzent. Spätestens bei der Zugabe war dann endgültig Schluss mit stillsitzen und schweigend zuhören. „Auf der Vogelwiese“ wurde zur Gemeinschaftsproduktion von Bühne und Saal in typischer Fischer-Chor-Atmosphäre.
Nach der Pause übernahm der Kgl. MV St. Josef Hünningen unter der Leitung von Alain Herzet die Bühne. Mit „Zeitlos“ von Martin Scharnagl begann der zweite Konzertteil mit einer persönlichen Note. Das Werk wurde zum musikalischen Dankeschön an den Dirigenten für neun Jahre gemeinsamer Arbeit. „Du kannst uns zeitlos vorstehen“, lautete das augenzwinkernde Lob des Präsidenten Michael Rauw. Danach wurde es martialischer. Bert Appermonts „Return of the Vikings“ zeichnet mit kraftvollen Rhythmen, majestätischen Passagen und mystischen Klangfarben ein musikalisches Bild der Normannen mit ihren Langschiffen.
„Eine letzte Runde“ – aber noch lange nicht Schluss
John Powells Filmmusik zu „How to Train Your Dragon“ führte diese bildhafte Tonsprache weiter. Zwischen zarten lyrischen Momenten und heroischen Ausbrüchen entwickelte das Hünninger Orchester jene Mischung aus Abenteuer, Weite und Emotion, die der Filmmusik ihren besonderen Reiz verleiht. Mit „Shut Up and Dance“, dem Hit der US-Band Walk The Moon, wechselte das Programm anschließend ohne Berührungsängste in die Popwelt. Urlaubsgefühle lieferten die „Italo Pop Classics“ von Erwin Jahreis. Ricchi e Poveris Sarà perché ti amo“, Celentanos „Azzurro“ und Umberto Tozzis „Gloria“ ließen musikalisch Sommer, Sonne und „Bella Italia“ durch den Saal ziehen. Viele Besucher kannten nicht nur die Melodien, sondern erwiesen sich als Chor besonders textsicher. Danach hieß es im Santiano-Medley „Leinen los!“.
Passend zum Motto des Abends folgte „Ein Leben lang“ der Fäaschtbänkler, ein musikalisches Bekenntnis zu jener Leidenschaft, die Musiker über Jahrzehnte begleitet und Generationen miteinander verbindet. Und dann wurde aus dem Konzertsaal endgültig ein großer Chor. Bei Udo Jürgens’ „Griechischer Wein“ musste niemand lange um Mitsänger werben. Der Titel „Eine letzte Runde“ von Markus Nentwich klang zwar nach Feierabend, musikalisch war davon jedoch wenig zu spüren, denn es folgte mit Peter Schads „Kuschelpolk“ eine Zugabe, ehe der Trio-Teil aus „Ein Leben lang“ noch einmal aufgegriffen wurde und für einen passenden Schlusspunkt sorgte. Präsidentin Marion Scheuren dankte zum Abschluss allen Mitwirkenden und besonders Nico Deinema für ein gelungenes erstes Jahr an der Spitze des Maldinger Musikvereins.
Der Kgl. Musikverein „Echo vom Hochtumsknopf“ bot seinen treuen Zuhörern im Saal Christa Gennen ein vielseitiges Jahreskonzert – das erste unter dem neuen Dirigenten Nico Deinema.
Gastverein war der Kgl. Musikverein „St. Josef“ aus Hünningen.
Quelle: Grenz-Echo 13.10.2026
Last modified: Oktober 17, 2026


