Glaube: Maldinger Kirche besteht seit einem Jahrhundert
Am kommenden Sonntag um 10.30 Uhr ertönt in der Kirche St. Martin in Maldingen das Geläut zur feierlichen Dankesmesse. Mit dieser Veranstaltung wird an die Einweihung der heutigen Kirche vor 100 Jahren erinnert. (Von Gerd Hennen)
Das Jubiläum leitet eine Retrospektive auf die Historie des Dorfes ein, in welcher Glaube, Gemeinschaft und ein eigener Gottesdienstort seit Jahrhunderten eine signifikante Verbindung zueinander aufweisen. Die Feierlichkeiten zum Jubiläum der Kirche in dem lebhaften Dorf umfassen eine Festmesse, musikalische Darbietungen, ein Platzkonzert sowie ein gemeinsames Mittagessen.
Die Geschichte Maldingens reicht deutlich weiter zurück als jene des heutigen Gotteshauses. Der im ehemaligen Hof Thommen gelegene Ort wurde mutmaßlich in der Zeit der Völkerwanderung gegründet. Die vorrömischen Hügelgräber am Hochtumsknopf legen jedoch den Schluss nahe, dass bereits in keltischer Zeit eine Besiedlung stattgefunden hat. Der Ortsname verweist auf eine frühe Bedeutung. Die Deutung des Ortsnamens „Maldingen“, im Dialekt „Molje“, als „Versammlungsstätte des Gerichts“ ist eine mögliche Interpretation.
Schriftliche Quellen belegen die Existenz des Dorfes allerdings erst für das späte Mittelalter. Die erste urkundliche Erwähnung von Maldingen erfolgte im Jahr 1495, wobei der Ort zu diesem Zeitpunkt über sieben Feuerstellen verfügte. Im Jahre 1552/53 belief sich die Anzahl der steuerpflichtigen Haushalte auf 20,5. Über einen Zeitraum von Jahrhunderten fungierte Maldingen zudem als regionaler Treffpunkt für Handel und Austausch. Am St. Matthiastag, der jedes Jahr am 24. Februar begangen wird, fand an diesem Ort ein großer Markt statt, auf dem verschiedene Waren, darunter Früchte, Kram und Vieh, feilgeboten wurden. Dieser Markt behielt seine Relevanz bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.
Vermutlich verfügte Maldingen bereits im 11. Jahrhundert über ein bescheidenes Gotteshaus. Einen ersten schriftlichen Hinweis liefert das Pfarrregister von 1688. Dort wird eine Kapelle erwähnt, die dem Heiligen Johannes dem Täufer geweiht war. 1776 wurde diese Kapelle durch einen Neubau ersetzt. Mit 11,70 Metern Länge und 5,70 Metern Breite blieb auch dieses Gotteshaus jedoch architektonisch überschaubar. Mit der Zeit und der Dorfentwicklung wurde die „Kirche“ für die Dorfgemeinschaft zu klein, während der Zustand als „baufällig“ bezeichnet wurde. Mitten im Ersten Weltkrieg fassten die Maldinger deshalb 1915 einen weitreichenden Beschluss. Die alte Kapelle im unteren Dorf sollte durch eine größere Kirche an der Hauptstraße ersetzt werden. Schenkung, Planung und Formalitäten verzögerten die Umsetzung, so dass der Grundstein für dieses ehrgeizige Dorfprojekt erst am 13. April 1925 gelegt wurde.
Als fleißige Helfer beim Bau der Kirche erwies sich eine Kolonne italienischer Bauarbeiter, sodass die neue Kirche nur rund 16 Monate nach dem ersten Spatenstich, am 31. August 1926 feierlich eingeweiht werden konnte. Somit erhielt Maldingen jenes Gotteshaus, dessen 100-jähriges Bestehen nun am Sonntag gefeiert wird. Im Inneren fallen mehrere Ausstattungsstücke besonders ins Auge. Dazu gehören der Hauptaltar aus schwarzem Marmor, das opulente Netzgewölbe sowie die große, lichtumflutende Glasrosette auf der Turmseite. Ein Stück älterer Kirchengeschichte kam 1926 aus dem benachbarten Luxemburg nach Maldingen. Die mittlerweile abgebaute Predigtkanzel aus dem 18. Jahrhundert stammte aus der Kirche von Weiswampach. Die frühere Kapelle verlor mit der Einweihung der neuen Kirche ihre ursprüngliche Aufgabe, blieb dem Dorf aber zunächst erhalten. Sie wurde als Vereinshaus und als Probelokal des Kirchenchores genutzt. Kriegsschäden und der zunehmende Verfall führten schließlich dazu, dass das Gebäude in den 1950er Jahren abgerissen werden musste.
Auch die neue Kirche blieb von den dramatischen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs nicht verschont. Am 27. Dezember 1944, mitten in der Ardennenoffensive, wurde sie bei einem Luftangriff schwer beschädigt, konnte aber nach dem Krieg schnell wieder aufgebaut werden. 1959 wurde eine neue Glocke getauft. Sie trägt Darstellungen der beiden Schutzheiligen Johannes des Täufers und Luzia. 1988 kamen zwei weitere Glocken hinzu. Seit ihrer Segnung ruft ein harmonischer Dreiklang die Gläubigen vom Maldinger Kirchturm zur Messfeier herbei. Unmittelbar neben der Kirche erinnert ein Bildstock aus Rotsandstein an noch ältere Zeiten. Das Relief zeigt Johannes den Täufer und trägt die Inschrift „IONNES SCHWERDZ AO 1693“, während sich auf der inzwischen stark verwitterten Rückseite einst eine Darstellung der Kreuzigung befand.
Das Jubiläum am Sonntag beginnt um 10.30 Uhr mit einer feierlichen Dankesmesse. Für die musikalische Gestaltung sorgt der Kgl. Kirchenchor Dülema unter der Leitung von Roland Close. Damit steht zu Beginn bewusst jener Anlass im Mittelpunkt, dem die Kirche seit einem Jahrhundert dient: der Gottesdienst und das kirchliche Leben der Dorfgemeinschaft. Nach der Messe soll das Jubiläum in geselliger Runde weitergehen. Bei gutem Wetter gibt der Kgl. Musikverein „Echo vom Hochtumsknopf“ Maldingen ein Platzkonzert. Anschließend lädt der Verein zu einem Umtrunk und einem gemeinsamen Mittagessen im Festzelt ein. Das Catering wird zum Preis von 20 Euro angeboten. Eine zeitnahe Anmeldung ist unter Tel. 0477/717510
erforderlich.
Festmesse, Musik und Essen stehen auf dem Programm.
Weihe durch Msgr. Louis-Joseph Kerkhofs und General Baltia
Quelle: Grenz-Echo 09.09.2026
Last modified: Oktober 7, 2026


